Ich lasse dich nicht,  du segnest mich denn… Es war die Nacht vor dem Wiedersehen mit seinem Bruder. Ihn hatte der Erzvater Jakob betrogen und war jahrelang davor weggelaufen. Aber einmal musste er umkehren. Und an dieser Grenze, dem Fluss Jabbok gab es kein Zurück, denn alle die Seinen waren schon drüben; und es gab kein Vor, denn er schlug sich noch mit sich selbst herum. Es heißt: Da rang einer mit ihm. Festgekrallt und festgebissen hatte sich Jakob im Ringen mit diesem Fremden, dass es keinen Sieger zu geben schien. Nur Verlierer. Als aber der vermeintliche Gegner – der in Wahrheit seine eigene Vergangenheit und sein schlechtes Gewissen war – ihn bat, es gut sein und ihn gehen zu lassen, da sagte Jakob diesen wunderlichen Satz: „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn.“ Jakob konnte das Gewissen nicht niederringen und die Vergangenheit nicht auslöschen. Aber er konnte auch nicht mehr ausweichen. Ohne die Auseinandersetzung gibt es keinen Weg zur Versöhnung. Schlaflos die ganze Nacht, ausweglos, verzweifelt, erschöpft und am Boden – und er wurde gesegnet daselbst. Wer ihr nicht ausweicht, kann die Vergangenheit bezwingen, ohne sie auszulöschen. Jakob hatte sie bewältigt, nicht überwältigt. Und er hat seine Blessuren mitgenommen, denn er hinkte seit jener Nacht. Aber es wurde Morgen und ihm ging die Sonne auf. Er gewann Klarheit über seinen neuen Weg. Und er hatte die Einsicht seines Lebens: Ich habe um meine wahre Bestimmung gekämpft, vielmehr: mit Gott!  Ich habe das Leben umklammert, nicht aufgegeben, nicht geleugnet, sondern gerungen, um aus all dem wenigstens einen Tropfen Segen herauszupressen. Und ich bin gesegnet, denn es war Gott.  Wenn wir diesen Glauben gewinnen, haben wir wirklich gewonnen, egal was kommt.  
Es grüßt Sie und verabschiedet sich aus der Region Ost Ihr Pfarrer Arnulf Kaus