Andacht zur Jahreslosung 2021

Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist. (Jahreslosung Lukas 6,36)Bild Jahreslosung

„Ganz der Vater!“, so hören wir es immer wieder einmal. Wir sagen es selbst, wenn wir ein Baby im Kinderwagen sehen oder wenn Kinder heranwachsen und sich entwickeln. Ganz der Vater, ganz die Mutter.

Das kann nervig sein, denn wir wollen nicht immer so wie unsere Eltern sein. Schon gar nicht, wenn uns manche ihrer Eigenschaften aufregen.
Aber es kann auch schön sein. Möglicherweise entdecken wir später, dass es gut ist, wenn bestimmte Dinge unserer Eltern auf uns abfärben. Die positive Art, das Leben anzunehmen, der Humor oder die Musikalität.

Wie schön wäre es, wenn wir auch im Blick auf unseren Vater im Himmel hören würden: „Ganz der Vater!“ Wenn man uns anmerkt, aus welcher Familie wir kommen.
Die Jahreslosung legt uns eine der wunderbaren Eigenschaften Gottes ans Herz, die auch wir uns zu eigen machen sollen: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ (Lk. 6,36)                                                                            
Verlag am Birnbach
                                                                                                        
Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen
Barmherzigkeit hat viele Facetten. Zuerst einmal bedeutet barmherzig sein, den anderen in den Blick zu nehmen und nicht nur auf mich selbst zu schauen. Barmherzig sein ist echtes Hinsehen und Hinhören. Ich lasse mich berühren und dann in Bewegung setzen.
Wirklich zuhören kann schwerfallen, wenn wir unterschiedlicher Meinung sind. Hinsehen und mich berühren lassen, kann wehtun, weil ich das Leid der anderen wahrnehme. Aber wir haben Barmherzigkeit so dringend nötig! Denn nur, wenn wir uns berühren lassen, wirken wir der inneren und der gesellschaftlichen Kälte entgegen, öffnen wir unsere Hände und Häuser, suchen wir das Miteinander.

Gottes Barmherzigkeit heißt übrigens nicht, dass er alles gutheißt, was wir tun. Aber er schenkt uns Raum, uns zum Guten hin zu entfalten. Gibt uns Lebensraum.

Die Jahreslosung fordert uns heraus, diesen Raum für andere immer wieder zu öffnen. Das beginnt mit der eigenen Herzenshaltung und zeigt sich in unserem Tun, im offenen Ohr, im offenen Wort. Ganz der Vater eben! Wenn Gott unser Leben prägt, wird sich das zeigen. Denn er begegnet auch uns mit seiner Barmherzigkeit und öffnet uns den Raum.

Gott segne Sie!

Ihre Pfarrerin Susanne Entschel